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Nachdiplomkurs Forensic Nursing

Rechtsmedizinische Dokumentation und Betreuung bei Gewalt

In Spitälern, Heimen oder in der Spitex, werden Menschen wegen Verletzungen oder unklaren Schädigungen beobachtet, untersucht und behandelt. Die Bedeutung einer genauen Befunddokumentation und einer sachdienlichen Sicherstellung von biologischen Proben oder Effekten für eine spätere zivil- oder strafrechtliche Aufarbeitung wird oftmals zu spät oder nicht erkannt. Unterlassene Schritte können in der Regel nicht nachgeholt werden. Befunde, die nicht sachdienlich, ungenügend oder gar nicht dokumentiert sind oder Proben die in nicht geeigneter Weise asserviert wurden, stehen den betroffenen Menschen, gegebenenfalls auch Ermittlungsbehörden oder Versicherungen, nicht zur Verfügung. Dies kommt vor allem dann zum Tragen, wenn später eine Klärung des Vorfalles gewünscht oder erforderlich wird.

Zielpublikum und Voraussetzungen

Diese Weiterbildung richtet sich an dipl. Pflegefachpersonen HF oder FH, welche in einer Notfallstation, Kinderabteilung, in einem Frauenspital, in Heimen, in der Spitex oder sonstigen Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens tätig sind. Ebenfalls ist der Zugang für Hebammen (FH) möglich. Sie sind interessiert am genauen Dokumentieren und möchten sich vertieft in ein neues Fachgebiet einarbeiten. Mehrjährige Berufserfahrung ist von Vorteil, jedoch nicht Bedingung.

Teilnehmerzahl: 8 bis 12 Personen

Kursziele

Die Teilnehmenden setzen sich intensiv mit medizinisch relevanten Themen aus der Forensik auseinander. Sie lernen forensisch bedeutsame Aspekte im klinischen Alltag kennen und für sachdienliche Dokumentation und Asservierung zu sorgen. Sie erlangen die Kompetenz, interdisziplinär und interprofessionell vernetzt zu planen und zu handeln. Die Pflegefachperson kann mit ihrer Kompetenz an der Schnittstelle von medizinischer Versorgung und Wahrung der Rechtssicherheit einen wesentlichen Beitrag als Dienst am Patienten bzw. Opfer erweisen. Sie kennen Präventionsangebote und unterstützende Institutionen für schutzbedürftige Personen bzw. Opfer und können dahingehend beraten.

Daten und Zeiten

Der Lehrgang dauert zwölf Tage, beinhaltet 96 Lektionen Präsenzunterricht, Selbststudium (ca. 60 Stunden) und gliedert sich in drei Module. Jedes Modul schliesst mit einem Leistungsnachweis ab. Neben der Vermittlung von Theorie wird Wert auf praktisches Üben gelegt. Nach Kursbesuch und erfolgreichem Absolvieren der Leistungsnachweise und der Abschlussarbeit erhalten die Kursteilnehmenden ein Zertifikat, unterzeichnet vom Institut für Rechtsmedizin Graubünden und dem BGS.

Modul 1
28.09. / 26.10. und 23.11.2021

Modul 2
14.12.2021 sowie
11.01. / 15.02. / 08.03. /
17.05. und 05.04.2022

Modul 3
21.06. / 06.09. und 27.09.2022

Unterrichtszeiten jeweils 09.00 bis 17.00 Uhr.

Kursinhalte 

Modul 1: Grundlagen – 3 Tage

  • Allgemeine Einführung: Aufgabenbereiche, Ziele, Möglichkeiten und Grenzen
  • Juristische Grundlagen: Berufsgeheimnis, Melderecht und Meldepflicht, Aufklärung und Einwilligung, Verantwortlichkeiten, Beweiskette, Datenschutz
  • Fallbearbeitungen

Modul 2: Basiswissen / Basisfertigkeiten – 6 Tage

  • Forensisch-klinische Fragestellungen
  • Fotodokumentation: Grundlagen, Technik, forensische Besonderheiten
  • Verletzungslehre: Arten von Gewalt, Anforderungen an Beschreibung von Verletzungen (Reproduzierbarkeit), Dokumentationsmöglichkeiten
  • Asservierung: Wahl der Probe, Probenahme, Probengefäss, Lagerung, Verfolgbarkeit der Probe
  • Forensische Chemie und Toxikologie: Einführung, Pharmakokinetik, Stoffkunde, besondere Anforderungen (Unterschiede zur klinischen Chemie)
  • Forensische Genetik: Einführung, Möglichkeiten und Grenzen
  • Kommunikation, situationsangepasst, psychosoziale Intervention
  • Fachorganisation und Beratungsstellen
  • Praktische Übungen und Fallbearbeitung 

Modul 3: Praxistransfer / Übungen – 3 Tage

  • Case-Management: Fragestellungen, zeitlicher Ablauf, Ressourcen, Logistik, Informationsfluss, Erkennen von Problemen, Lösungsansätze
  • Aufklärung und Einwilligung
  • Dokumentation und Asservierung
  • Praktische Übungen

Kursleitung

Fachliche Kursleitung
Dr. med. Marc D. Bollmann, Chefarzt, Institut für Rechtsmedizin, Graubünden
sowie weitere Fachdozentinnen und Dozenten

Pädagogische Kursleitung
Gabriele Hohenwarter, Dipl. Pflegepädagogin (FH)

Kurskosten

Ganzer Lehrgang Fr. 4`500.– (1. Rate Fr. 2`250.–, 2. Rate Fr. 2`250.–).

Die Prüfungsgebühr ist im Kursgeld inbegriffen. Für die Wiederholung der Abschlussarbeit werden Fr. 200.- verrechnet.

Es wird ein Gesuch ans Bundesamt für Justiz in Bern für Mitfinanzierung eingereicht. Sollte das Gesuch angenommen werden, erhalten die TN einen entsprechenden Betrag der Kurskosen zurückerstattet.

Abmeldung Seminare und Lehrgänge

Erfolgt eine Abmeldung für ein mehrtägiges Seminar oder einen Lehrgang nach der definitiven Anmeldebestätigung BGS, jedoch vor dem Start, erhebt das BGS eine einmalige Umtriebsentschädigung von Fr. 250.–. Bei einem späteren Austritt ist der Betrag der bereits besuchten Seminar- oder Lehrgangs-Module zu bezahlen.
Bei ungenügender Anzahl Anmeldungen behält sich das BGS das Recht vor, den Kurs zu verschieben oder abzusagen.